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Eine
Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft e.V. ,
des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
und der Universitätsbibliothek Eichstätt.
Das Symposium wird gefördert von
der
Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten
Die Tagung ist öffentlich
Lag bei der früheren Auseinandersetzung mit fremden Religionen das
Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf dem Gebiet der Apologetik,
so begannen innerhalb der deutschen Literatur der Aufklärungszeit
mit Lessings »Nathan der Weise« (1779) erstmals die Gesichtspunkte
des Verstehens und der religiösen Toleranz in den Vordergrund der
Betrachtung fremder Religionen zu treten. Ausgehend vom »nächstliegenden
Fremden«, dem Judentum, eröffnete sich bald ein weites Feld
intensiver Beschäftigung mit den Weltreligionen.
War aber noch Goethe bei seiner Beschäftigung mit dem Islam und der
persischen Literatur auf die Mittlertätigkeit des Übersetzers
angewiesen, so traten mit dem anbrechenden 19. Jahrhundert Gestalten wie
Friedrich Schlegel (1772-1829) oder Friedrich Rückert (1788-1866)
in Erscheinung, die sich die profanen und heiligen Schriften des indischen
und islamischen Kulturraums nicht nur im Urtext zu erschließen vermochten,
sondern ihre Lesefrüchte auch bewusst literarisch um- und einzusetzen
verstanden.
Angesichts der Herausforderungen einer immer weiter um sich greifenden
Globalisierung und der gleichzeitig wachsenden Furcht vor dem von Huntington
prophezeiten »Krieg der Kulturen« liegt es für die Rückert-Gesellschaft
e.V. nahe, das Wie und Warum der Rezeption von fremder Religion und Kultur
durch die Literatur vom späten 18. bis in die Mitte des vergangenen
Jahrhunderts (etwa bei Döblin, Hesse oder Thomas Mann u. a.) genauer
zu untersuchen. Bei dem Symposion sollten deshalb die Protagonisten, ihre
Beweggründe, die Reaktionen des Literaturmarktes sowie die geistesgeschichtlichen
Folgen, literarästhetischen Phänomenbildungen und nicht zuletzt
die wissenschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen dieser sich neu bildenden
Text- und Formenwelten im Mittelpunkt stehen. Ebenfalls vorstellbar sind
aber auch Fragestellungen wie die, welche Bedeutung die Rezeption und
Vermittlung fremder Religionen für die Antwort der Dichter und Literaten
auf ihre eigene »Gretchenfrage« hatte, oder welcher Spielraum
für interreligiöse Toleranz in einem Land der extremen konfessionellen
Spaltung überhaupt vorhanden war. Schließlich wäre mit
Blick auf einen speziellen Aspekt der indirekten, aber weit reichenden
Wirkungsgeschichte Rückerts zu fragen, welche Auswirkungen auf die
Wahrnehmbarkeit von Religion durch Literatur jene beiden Typenbildungen
religionskultureller Transformation hatten, die maßgeblich eben
durch zwei Hörer Rückerts verwirklicht wurden: die außertheologische
Verwissenschaftlichung und Vergleichgültigung der Religionen in Max
Müllers (1823-1900) Vergleichender Religionswissenschaft einerseits,
ihre kulturkritische Zuspitzung und nationalreligiöse Verengung im
Werk Paul de Lagardes (1827-1891) andererseits.
Die Ergebnisse werden in einem Tagungsband publiziert.
Programm
Donnerstag, 5. Oktober 2006
Diskussionsleitung:
Prof. Dr. Thomas PITTROF (Eichstätt)
9.00 Uhr
Prof. Dr. Wiebke WALTHER (Tübingen):
Das Bild des Christen und Juden in der arabischen Literatur
9.45 Uhr
Silvia HORSCH (Berlin):
Der Islam als Vehikel der Kritik bei Lessing
10.15 Uhr
Dr. Stephan EBERLE (Halle-Wittenberg):
Lessing und Zarathustra
10.45 Uhr: Diskussion
(WALTHER/HORSCH/EBERLE)
11.15 Uhr: Kaffepause
11.30 Uhr
Dr. Rüdiger SINGER (Göttingen):
Über Herders Schrift »Vom Geist der Ebräischen Poesie«
12.00
Dr. Pierre Kodijo NENGUIÉ (Yaoundé):
Religionssynkretismus in Goethes Balladen
12.30 Uhr: Diskussion
(SINGER/NENGUIÉ)
13.00-15.00 Uhr: Mittagspause
Diskussionsleitung: PD Dr. Andreas Urs
SOMMER (Greifswald)
15.00 Uhr
Prof. em. Wolfdietrich FISCHER (Erlangen):
Die Wahrnehmung des Orients in der deutschen Literatur der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts
15.45 Uhr
Dr. Ralf-Georg CZAPLA (Heidelberg):
Religion und Mythologie der Inder A. W. Schlegel als Übersetzer
und Vermittler vedischer Dichtung
Dr. Daniel WEIDNER (Berlin):
Die Bibel schreiben: Hebel, Rückert, Renan und die Evangelien
16.45: Teepause
17.15-17.45 Uhr: Diskussion
(FISCHER/CZAPLA/WEIDNER)
19.30 Uhr: Hofgartenbibliothek:
Eröffnung der Ausstellung »Wirkungen Rückerts«
Begrüßung
durch den Präsidenten der KU Eichstätt-Ingolstadt,
Prof. Dr. Ruprecht WIMMER
und durch die Direktorin der Universitätsbibliothek,
Ltd. Bibl.-Dir. Dr. Angelika REICH
Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Hartmut BOBZIN (Erlangen):
Rückerts Koranübersetzung
Freitag, 6. Oktober 2006
Diskussionsleitung: Rudolf KREUTNER M.A.
(Schweinfurt)
9.00 Uhr
Pierre MATTERN (Offenburg):
Moses als Freiheitskrieger? Zur Ambivalenz des Exodus in Ernst Moritz
Arndts »Ansichten und Aussichten der deutschen Geschichte«
9.30 Uhr
Joël GISKES (Amsterdam):
Ein deutschgesinnter Gott als Legitimationsinstanz in Friedrich Rückerts
»Geharnischten Sonetten«
10.00 Uhr: Diskussion
(MATTERN/GISKES)
10.30 Uhr: Kaffepause
11.00 Uhr
Marcel KRINGS (Paris):
Die entgötterte Welt. Religion und Ökonomie in Goethes »Lehrjahren«
11.30 Uhr
PD Dr. Bernd HAMACHER / Myriam RICHTER M.A. (Hamburg):
Goethe als National- und/oder Weltreligion der Germanisten Überlegungen
zu Richard M. Meyer
12.00-12.30 Uhr: Diskussion
(KRINGS/HAMACHER/RICHTER)
12.30-15.00 Uhr: Mittagspause
Diskussionsleitung:
Dr. Ralf-Georg CZAPLA (Heidelberg)
15.00 Uhr
PD Dr. Urs Andreas SOMMER (Greifswald):
Religionsfunktionalisierungen. Paul de Lagarde Friedrich Nietzsche
Thomas Mann
15.30 Uhr
Dr. Friedrich SCHMIDT (Frankfurt/Main):
» [...] gegen den Gekreuzigten«? Kontrafaktur und Rekurrenz
christlichen Denkens bei Friedrich Nietzsche
16.000 Uhr: Diskussion
(SOMMER/SCHMIDT)
16.30: Teepause
17.00 Uhr
Julia MANSOUR, M.A. (Stuttgart):
»Ein unermeßliches Trümmerfeld religiöser Traditionen«
Religion, Dichtung und Metaphysik in Wilhelm Diltheys Weltanschauungslehre
17.30 Uhr
Dipl.-Germ. Thomas HOMSCHEID (Bamberg):
»Ein armer Hirnhund, schwer mit Gott behangen ...«
Der homo academicus reflektiert das Religiöse von Friedrich
Rückert bis Gottfried Benn
18.00-18.30 Uhr: Diskussion
(MANSOUR/HOMSCHEID)
19.30 Uhr: Domherrenhof, Domplatz 5: Gemeinsames Abendessen
Samstag, 7. Oktober
2006
Diskussionsleitung:
Dr. Bernd HAMACHER (Hamburg)
9.00 Uhr
Dr. Ursula KOCHER (Berlin):
»Stille sein, nicht widerstreben, kann ich es denn?«
Zur Präsenz der Religionen Indiens und Chinas in den Werken deutschsprachiger
Autoren des 20. Jahrhunderts
9.45 Uhr
Dr. Michael OSTHEIMER (Chemnitz):
Döblins Konfuzius-Rezeption Ein Modellfall für die Aneignung
chinesischer Kultur?
10.15 Uhr
PD Dr. Gesine Lenore SCHIEWER (Bern):
Shivas Sprache tanzt. Zur Rezeption indischer Sawitri-Epik in Alfred Döblins
»Manas«
10.45 Uhr: Kaffepause
11.15 Uhr: Diskussion
(KOCHER/OSTHEIMER/SCHIEWER)
11.45 Uhr
Miriam ALBRACHT (Düsseldorf):
Das Eigene und das Fremde: Assimilation als Ideal in Thomas Manns Roman
»Joseph und seine Brüder«
12.15-12.45 Uhr: Diskussion
(ALBRACHT)
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